Der schwedisch-deutsche Businessführer

Eine Handbuch für Manager ist typischerweise interessant für eben diese Zielgruppe. Der vorliegende «schwedische-deutsche Businessführer» empfiehlt sich aber auch als Vorbereitungshilfe für Angestellte und Selbstständige, die ihren Wohnsitz nach Schweden verlegen wollen.

Sensibilisierung vor dem Auslandsaufenthalt tut gut und manchmal not, und das von der Deutsch-Schwedin Ninni Löwgren geschriebene Handbuch kontrastiert Unterschiede im Geschäftsleben beider Länder. Der Tenor: «die» schwedische Arbeitsweise ist in der Praxis zwar häufig anders, als Deutsche gewohnt sind, aber letztlich ebenso gut und in jedem Fall sympathischer.

Das Buch skizziert zunächst das Vorwissen bei Deutschen und Schweden über die jeweils andere Seite und geht auf die Geschichte markanter Unterschiede ein. Das wichtigste Kapitel 3 beschreibt Wege zu guten Geschäften und beleuchtet typische Geschäftssituationen, Wege der Kommunikation und gegenseitige Erwartungen. «The smartest way» sei, so die Autorin, «sich ein Stück weit anzupassen».

Im schwedischen Geschäftsalltag gebe es in der Regel bei Verhandlungen keine Sieger und Verlierer, dagegen viele Wege zu einer Lösung. Kompromisse sind der Regelfall, und Mitarbeiter geniessen ein weitaus grösseres Mitspracherecht. Ganz wichtig auch das Leben im Einklang mit der Arbeit.

Abwechslung bieten zehn kurze Gastbeiträge von deutschen und schwedischen Entscheidern, die Erfahrungen in unterschiedlichen Geschäftssituationen und bei privaten Anlässen beschreiben. Ebenso banal wie gültig ist die Empfehlung, die Sprache des Ziellandes zu lernen und sich Informationen über die neue Umgebung einzuholen.

Aufschlussreich ist eine Übersicht von Begriffen, die von Deutschen und Schweden im Geschäftsleben verwendet werden: von den 17 dargestellten gibt es lediglich 4, die gleich bewertet werden – «Gemeinschaft» und «Tempo» werden als positiv eingestuft, «Fehler» und «Pfusch» als negativ.

Zum Buch

Ninni Löwgren: 
Der schwedisch-deutsche Businessführer.

Seiten: 108
Einband: Broschiert
Herausgeber: Deutsch-Schwedische Handelskammer 
Erschienen: 2013

ISBN: 978-3-89981-306-7 

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Grosse Überraschung dann beim letzten Begriff: «Zeitverschwendung» - so die Autorin - «gibt es nicht» (!) im schwedischen Business. Könnte dies eine Erklärung dafür sein, warum der schwedische Geschäftspartner sich um 30 Minuten zum vereinbarten Termin verspätet, ohne sich zu entschuldigen?

Ohne Manager sein zu müssen, stellen sich beim Lesen immer wieder Aha-Effekte ein, wenn man in Schweden gearbeitet hat oder Geschäftsbeziehungen mit ihnen pflegt. Dass Aussagen wie «Das wird schwierig. Wir müssen schauen, ob wir das hinbekommen» als hundertprozentige Absage zu verstehen sind, zeigt, wie wichtig Vorbereitung und Begleitung durch Lektüre, interkulturelles Training und der Kontakt mit Einheimischen sind.

Dass sich bei Problemen in Schweden «vieles von selbst» löst, wie Löwgren attestiert, beschreibt eine hoffnungsfroh stimmende Erwartung, stellt aber mitunter eine grosse Herausforderung für Neu-Schweden dar, die Verbindlichkeit und Verlässlichkeit als Vertrauen bildende Instrumente schätzen und pflegen.

Das Buch liest sich leicht und bietet erhellende Einsichten auch für den privaten Umgang, kommt aber insgesamt mit einem einseitig-werbenden Unterton daher.