Buchrezension: Schweden. Land zwischen Idylle und Wildnis

Ein neues Buch kündigt sich an, und der Untertitel klingt gross: «Land zwischen Idylle und Wildnis». Das macht neugierig: wie gelingt es einem Autor, ein Flächenland auf überschaubaren 135 Seiten zu beschreiben, noch dazu in einem handlichen Hardcover-Format – 28,5 x 23,7 cm – und einem Gewicht von gerade einem Kilo?

Beim Durchblättern wird deutlich: hier hat jemand eine liebevolle Verzichtserklärung abgegeben, und dies in mehrfacher Hinsicht: zunächst einmal handelt es sich um einen Bildband; wer ungern liest, wird sich hier wohl fühlen. Dabei muss sich der Leser keineswegs schlecht informiert fühlen: der jeweils zweiseitige Einführung- und Schlusstext sowie die gut einseitigen Einführungen zu den acht Kapiteln liefern den Beleg dafür, dass Autor Klaus-Peter Kappest gut vertraut ist mit Land und Leuten.

Schweden

Land zwischen Idylle und Wildnis
Klaus-Peter Kappest

Edition Rasch & Röhring, Steinfurt

136 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

Erschienen: 2009
ISBN: 9783939172499

Preis: 28,50 EUR

Verzichtet wurde auch auf den Anspruch, umfassend informieren zu wollen: dieser Band ist eine Landschaftsbeschreibung und kein Reiseführer. Städtebeschreibungen sucht der Leser vergeblich, und auch die Hauptstadt Stockholm wurde auf wenigen Seiten nur eben tangiert. Hinweise zu Touristenbüros, GPS-Koordinaten, illustrierende Kartenauschnitte, ein Stichwort-Verzeichnis? Fehlanzeige. Selbst Hinweise auf weiter führende Webseiten finden sich nur einige wenige am Ende des Buches.

Dieser Bildband glänzt durch Unterlassungen und schmückt sich mit der Qualitätserklärung, dass alle dargestellten 189 Bilder «garantiert unmanipuliert» sind; kein Bildbearbeitungs-Programm sollte für den schöne(re)n Schein sorgen. Der Betrachter darf sich hier ehrlich behandelt fühlen: nichts ist künstlich oder verstärkt.

Was diesen Bildband emotional charakterisiert, ist die gefühlte Langsamkeit: dieses Buch hat keine Eile, zur Sache zu kommen –  es ruht in sich selbst. Wem solche Momentaufnahmen gelingen, der führt keine Auftragsarbeit aus, bei der er in drei Monaten alle wichtigen Ecken des Landes ablichtet. Der Reiz des Betrachtens erschliesst sich in der Unaufgeregtheit, teilweise in der «Normalität» der Motive. Der Fotograf nimmt die Rolle des stillen Beobachters ein, der über viele Jahre hinweg vieles gesehen hat und auf die richtigen Momente und Landschafts-Stimmungen wartet. Hier dankt Kappest seiner Partnerin für den «eisernen Geduldsfaden», und man versteht intuitiv warum.

Ein Fotograf spricht zuerst durch seine Bilder, und Klaus-Peter Kappest spricht lebendig. Dem Betrachter erschliesst sich beim Blättern eine fast klischeehafte Schönheit des Landes, und gleichzeitig wird sie konsequent vermieden, ohne dass es angestrengt wirkt. Sicher, rote Häuser gibt es ebenso zu sehen wie Elche, Schäreninseln, wilde Beeren oder das Eishotel, aber die Motive wirken nie abgegriffen. Wer Ruhe und Entschleunigung sucht, findet sie in diesem Band und erhält einen Blick in die «schwedische Seele»; selbst die schwedische Wildnis wirkt in diesem Bildband einzig idyllisch.

Bei Amazon bestellen » 
(ca. 39,29 CHF bei Bestellung aus der Schweiz inkl. Versand)


Schwedisch ausgehen: