Annika Eriksson: Die Trilogie

Künstlerische Dialoge III | 14.04.–17.06.12

Am 13. April 2012 eröffnete das Künstlerhaus Stuttgart eine Einzelausstellung der schwedischen Künstlerin Annika Eriksson. Sie ist das jüngste Kapitel in der laufenden Serie der «Künstlerischen Dialoge».

Die Ausstellung umfasst eine Trilogie von Videoarbeiten – neben den Video-Installationen «Wir sind wieder da» (2010) und «Wir Bleiben / The Last Tenants» (2011) Erikssons neuste Arbeit «It did happen soon» (2012) als Erstaufführung. Die Werke sind konzipiert als ein fortgesetzter Dialog mit Zeiten des Übergangs, die hier sowohl in Momenten des Widerstands und des Ungehorsams als auch in Zuständen der Erschöpfung und der Passivität erkundet werden. Berlin, wo die Künstlerin lebt und arbeitet, und ein Ort, an dem sich Science Fiction als Mittel zur Beugung von Zeitabläufen realisieren lässt, diente bei der Umsetzung der drei Arbeiten als Dreh- und Angelpunkt.

Annika Eriksson: «Wir Bleiben / The Last Tenants», Videostill, 2011

Erikssons neue Videoarbeit «It did happen soon» geht auf Recherchen zu den Schriften und Erfahrungsberichten der legendären Berliner Kommune 1 zurück, die oft als die erste politisch motivierte Wohngemeinschaft in Deutschland beschrieben wird. Eriksson versetzt die Erfahrungen von Rainer Langhans, einem der Köpfe und «Gallionsfigur» der Kommune, in eine Sphäre zeitlicher Unbestimmtheit. Seine Erzählung, die um den Willen und den Elan zur Veränderung der Verhältnisse kreist, wird in einen uneindeutigen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang gebracht. Dabei verschmilzt in einer dreiteiligen, von einem jungen Schauspieler vorgetragenen Schleife dokumentarisches Material mit Ausschnitten aus Science-Fiction-Erzählungen.

Ein ähnliches Empfinden von gebrochener Zeit, die Verlorenes nicht beschreibt, ergibt sich auch in Erikssons Video-Installation «Wir sind wieder da». In dieser Arbeit sieht sich der Betrachter einer Gruppe von Berliner Punks gegenüber, die in einem scheinbar endlosen dunklen Raum herumlungern. Punks, die eine zentrale Rolle für das Berliner Selbstverständnis spielen, manifestieren ihren Standpunkt durch «Nichtstun». In dem Stück erscheint die Parole «Versagen als Erfolg» als Motto im Subtext, Rauch und Wind verbreiten etwas Glamour. Die Punks erscheinen wie Geister, sind aber immer noch in der Lage, uns ein Gefühl für zukünftige Szenarien eines vorstellbaren Morgen zu vermitteln.

«Wir Bleiben / The Last Tenants» spielt in einem grauen, auf den ersten Blick wenig beeindruckenden Haus in Berlin-Mitte, in dem die Künstlerin selbst einige Jahre gewohnt hat. Das Haus wurde 1755 gebaut, hat also Jahrhunderte, Jahrzehnte, die beiden Weltkriege überstanden. Zur Zeit, als «Wir Bleiben» gedreht wurde, stand dem Haus die vollständige Umwandlung bevor, denn es sollte für die Einrichtung von Luxus-Apartments saniert werden. Das Video porträtiert die vier letzten im Haus verbliebenen Mieter und beschäftigt sich mit ihrem Widerstand und ihrer Entschlossenheit, ihr Bleiberecht einzufordern.

Über Annika Eriksson

Annika Eriksson lebt in Berlin. Von ihren jüngeren Auftragsarbeiten seien genannt:

  • «Wir Bleiben / The Last Tenants», Auftragsarbeit für «Europe n», GFZK, Leipzig;
  • Einzelausstellung, NON Gallery, Istanbul;
  • «The Parade» für den Grazer Kunstverein;
  • «A Rehearsal / Fable of the Bees» für NON-Stage, Istanbul,2011;
  • «Wir sind wieder da» für DAAD Galerie, Berlin;
  • «I'm still waiting for you» für Hayward Gallery, London;
  • The Kitchen and Hannah Arendt Band für «Correct me, if I'm critical», Felleshuset, Restaurant Nest, Berlin, und Restaurant Yakup, Istanbul, 2010;
  • Maximum Happiness für «Yes, No and Other Options», Sheffield Biennale 2008.

Zu den für 2012 geplanten Aktivitäten zählen: «The Best of Times, The Worst of Times. Rebirth and Apocalypse in Contemporary Art», Kiev Biennale; «When Attitudes Became Form Becomes Attitudes» im Wattis Institute for Contemporary Art, San Francisco, sowie eine Einzelausstellung in der Galerie Krome, Berlin.

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