Reisen in die inneren Landschaften der Seele
Jay-Jay Johansons neues Album «Spellbound»
Seine Songs sind kleine, melancholische Epen, die weit bis in die unendlichen Tiefen der Gefühle reichen. Manch einer empfindet Jay-Jay Johanson als abgrundtief dunkel, traurig bis zur Verzweiflung, andere schmelzen in seinen Soundscapes dahin und lassen sich von seiner Stimme auf Reisen in die inneren Landschaften der Seele mitnehmen.
Auf seinem aktuellen Album Spellbound löst Jay-Jay Johanson einmal mehr alle Versprechen ein, die der Schwede bereits auf dem 2009er Album Self-Portrait gegeben hat. Die Eleganz seiner Songs, die in der Fusion aus Jazz, elektronischem Background und feinfühligem Songwriting Gestalt gewinnt, ist nach wie vor unübertroffen, und Spellbound wirkt wie ein betäubender Trank an einem Spätsommerabend, der die Melancholie einer zu Ende gehenden Saison mit äußerster Schönheit zelebriert.
Als der in Trollhättan, einer schwedischen Gegend, in der sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, aufgewachsene Jay-Jay Johanson vor etwa 15 Jahren seine Karriere mit dem Trip-Hop-getränkten Album Whiskey begann, konnte niemand ahnen, wie sehr das Publikum seine Musik und seine Person begrüßen würde. Vor ein paar Jahren erklärte eine schwedische Zeitschrift den großgewachsenen blonden Melancholiker zum «schönsten Mann der Welt» und seine Fans bezeichnen ihn gern als «Schwedens coolsten Dandy» und «Ritter der Melancholie». In der alternativen Songwriter-Szene ist er eine feste Größe geworden und seine Konzerte gelten als intensive Explorationen in die Welt der unausgesprochenen Gefühle.
1996 stellte Jay-Jay Johanson mit seinem Trip-Hop-geprägten Debüt Whiskey zum ersten Mal den Typus des romantischen Antihelden in seiner Reinkultur dar. Das Album, das vor allem die französischen Fans begeisterte, klang wie das Missing Link zwischen dem französischen Songwriter Francis Lai und den Walisern Portishead. 1998 erweiterte er das Spektrum auf Tattoo um eine jazzige Komponente und rundete die Trilogie in Jahre 2000 mit Poison ab.
Im Jahr darauf entstand Johansons erster Soundtrack zum französischen Film «La Confusion des Genres» von Ilan Duran Cohen, kurz darauf drang er über die Mixed-Media-Installation Cosmodrome, die er mit D. Gonzales-Foerster konzipierte, auch in die Welt der Kunst vor. Dann gab es gelungene Intermezzi mit dem minimalistischen Antenna (2002) und mit Rush (2005), die eine perfekte Balance von anspruchsvoller Popmusik und feinfühligem Dance darstellt.
2007 kehrte Johanson dann wieder zum Songwriting und seinen Mitstreitern Erik Jansson (Piano) und Magnus Frykberg (Drums) zurück und veröffentlichte The Long Term Physical Effects Are Not Yet Known (2007) und Self-Portrait (2009); zwischendurch blieb noch Zeit für einen weiteren Soundtrack: La Troisième Partie du Monde (2008) zum gleichnamigen Film von Eric Forestier.



