Im Bann des Polarlichts

15. Dezember | 12:15–12:45 | Länder – Menschen – Abenteuer

Im Winterhalbjahr flimmert «Aurora Borealis», das Polarlicht, nachts über den Horizont. Sonnenstürme, die ihre Energie auf die Erde schicken, sorgen für das faszinierende Phänomen.

Hoch im Norden Europas zieht das Naturschauspiel die Menschen seit Jahrtausenden in seinen Bann. Die Ureinwohner, die Sami, hielten das Nordlicht für ein schlechtes Zeichen. In ihren Zelten wurde nur leise geredet, wenn das Polarlicht zu sehen war. Bis heute hält sich die Sitte unter den Sami, über das Polarlicht erst zu sprechen, wenn es wieder dunkel geworden ist.

Chad Blakely dagegen kann den ganzen Tag lang vom Nordlicht erzählen. Der US-Amerikaner ist vor sieben Jahren nach Abisko gekommen, einem verschlafenen Ort kurz vor der schwedisch-norwegischen Grenze an der Erzbahntrasse von Kiruna nach Narvik. Ihm fiel auf, dass Menschen aus südlicheren Regionen der Erde besonders stark in den Bann der bizarren Lichterscheinungen gezogen sind.

Seitdem veranstaltet er Fotokurse für Polarlicht-Touristen, die inzwischen zu Tausenden in jedem Winter nach Abisko kommen. Vor allem aus Asien. Sie reisen aus China bis nach Lappland, lassen sich von Temperaturen bis minus 30 Grad nicht abschrecken und hoffen, dass sie Aurora Borealis einmal selbst erleben können.

Abisko gilt inzwischen als Mekka des Polarlicht-Tourismus. Das Mikroklima und die dunklen Nächte rund um die 80-Seelen Gemeinde sorgen dafür, dass man das Nordlicht hier so gut erleben kann wie sonst kaum irgendwo auf der Welt. Der Polarlicht-Tourismus birgt aber auch Gefahren für die einzigartige Natur in Lappland. Und so sorgt sich Forscher Urban Brandström um die Auswirkungen, die die vielen Touristen auf das einsame Lappland haben könnten. Bisher versuchen sie in Abisko, das große Interesse am Polarlicht nicht zum Massentourismus verkommen zu lassen. Aber das gute Geschäft will sich auch niemand entgehen lassen. Denn den Trip hinter den Polarkreis lassen sich die Reisenden eine Menge Geld kosten.

© NDR (3)

Der Chinese Jack Hong ist für vier Tage nach Abisko gekommen. Er ist extra aus den USA angereist, wo er studiert. In Asien erzählt man sich viele Geschichten über das Polarlicht. Es soll Glück bringen. Jungen Paaren, die sich Kinder wünschen, genauso wie Alleinreisenden auf Partnersuche. Ob der Single Jack aus diesem Grund hergekommen ist oder ob es «nur» das Interesse am Fotografieren des Himmelsphänomens ist, mag er nicht verraten.

Urban Brandström sind die Wünsche und Träume der Touristen ganz gleich. Der Forscher vom Institut für Weltraumphysik ist dem Polar- oder Nordlicht aus anderen Gründen auf der Spur. Er forscht leidenschaftlich nach den Ursachen der Stürme auf der Sonne, die auch das Magnetfeld der Erde stark beeinflussen und etwa Stromausfälle verursachen können, berichtet Urban Brandström.

Ein Film von Clas-Oliver Richter