8 Fragen an ... Dirk Hagenbuch

Wildnisdorf Solberget | Schwedisch Lappland


Sie bieten Naturerlebnisse, Ruhe und Abgeschiedenheit: Was unterscheidet Ihre Angebote von Wellness- und Aktiv-Auszeiten anderer Anbieter?

Zum einen die Unterkunft im Wildnisdorf Solberget: 20 Kilometer nördlich des Polarkreises, 20 Kilometer vom nächsten Nachbarn entfernt und umgeben von zahlreichen Naturreservaten, wohnt man bei uns wie vor 100 Jahren. Das Wasser kommt aus der Quelle, Petroleumlampen erleuchten die Zimmer, und die Holzöfen wärmen auch bei klirrender Kälte. Alle Zimmer haben ihren eigenen urigen Stil, sind mit viel Liebe zum Detail eingerichtet und das Essen ist landestypisch – Rentier, Fisch und Elch.

Zum anderen bieten wir eine breite Palette an Aktivitäten in der Natur an: Skiwanderungen, Rentierschlittenfahrten, Hundeschlittenfahrten, Igluabenteuer, samische Abende am Lagerfeuer mit einem Rentierzüchter, schwitzen in der holzbeheizten Sauna oder entspannen bei einer Massage. Motorschlittentouren bieten wir bewusst nicht an!


Sie leben mit Ihrer Partnerin das, was viele für ein Auswanderer-Klischee halten: wie viele Ihrer Gäste haben sich durch Sie erfolgreich inspirieren lassen, ihre Heimat ebenfalls zu verlassen?

Es sind sicher nicht viele, aber jedes Jahr kommen Leute zu uns, die den «Sprung» nach Schweden nach einem Besuch bei uns wagen.


Neben einer persönlichen «Betreuung im Urlaub» bieten Sie einen «hohen Standard» an: was bedeutet das an einem Ort ohne Strom und fliessend Wasser?

Gründer Dirk Hagenbuch

Hoher Standard bedeutet für uns: qualitativ hochwertige Erlebnisse, die sich an ökologischen Kriterien orientieren. Die Lebensmittel sind aus ökologischem Anbau, die Guides sprechen in der Regel Deutsch und haben eine Ausbildung in Erster Hilfe, die Betreuung ist mehr oder weniger «rund um die Uhr» und wir selbst leben das ganze Jahr so, wie es unsere Gäste für ein paar Tage erleben. Auch versuchen wir immer einen «Plan B» zu haben, sollte «Plan A» aus irgendwelchen Gründen nicht klappen.

Ich denke, es gibt viele Kleinigkeiten, an denen der hohe Standard zum Ausdruck kommt, und die meisten Gäste merken das auch, wie uns die Antworten auf den Gästefragebögen am Ende der Reise zeigen.

Um einen Nachweis für den «hohen Standard» zu haben, sind wir gerade dabei, unser Unternehmen und einen Teil der Produkte dem strengen schwedischen Qualitätssiegel Naturens Bästa (Nature's Best) anzuschließen. Hier geht es um Qualität und Nachhaltigkeit des Unternehmens und der angebotenen Produkte. Im Frühjahr 2012 sollten wir, wenn alles klappt, damit fertig sein.


Welche Ihrer Angebote werden über die Jahre hinweg am stärkten nachgefragt? Welche sind neu hinzugekommen?

Silvester und Ostern sind die Touren, die am besten laufen. Da haben wir spezielle Familienreisen. In den letzten Jahren sind noch die Wellnesswoche, die 4–tägige Skiwanderung im Muddus–Nationalpark und ein «Überlebenskurs» dazu gekommen. Alle Touren werden von den Gästen gut angenommen, vor allem von denjenigen, die öfter zu uns kommen. Sie finden es klasse, dass es immer wieder neue Touren gibt, an denen sie teilnehmen können. Der Sommer war bis vor zwei Jahren schwer zu verkaufen, aber inzwischen haben wir auch im Sommer Touren mit Wanderungen (mit und ohne Rentiere), steinzeitlichem Kochen, Handwerkstag und so weiter.


Wer Ihre Angebote bucht, trifft vor Ort auf andere Gäste: welche Zeiten werden gemeinsam verbracht, wo gibt es Privatsphäre?

Privatsphäre gibt es im Zimmer, vor allem, wenn man ein Familien– oder Doppelzimmer bucht. Gemeinsam finden alle Aktivitäten und die Mahlzeiten sowie das Saunabaden am Abend statt. Natürlich ist es den Gästen freigestellt, an den Unternehmungen teilzunehmen oder lieber eine Entspannungsmassage bei Silke zu buchen ...

Was von allen Gästen immer wieder betont wird, ist die Tatsache, dass hier auf dem Hof alles sehr weitläufig ist, so dass man immer Zeit und Platz für sich hat. Und für diejenigen, die wirklich mal unter sich sein wollen, haben wir zwei Kilometer vom Wildnisdorf entfernt noch eine kleine Hütte mit Aussichtsturm, die von den Gästen kostenlos genutzt werden kann.


Ihre Gäste erhalten Einblick in Ihren persönlichen Alltag: entwickeln sich daraus auch dauerhafte Freundschaften für Sie?

Klar, das kommt immer wieder vor, vor allem mit Gästen, die jedes Jahr zu uns kommen. Gerade auf den längeren Touren, wie zum Beispiel bei den 4–Tages–Touren mit Packrentieren im Muddus Nationalpark, entwickeln sich schöne Beziehungen zwischen den Gästen und uns.


Woher kommen Ihre Kunden überwiegend?

Die Mehrheit kommt aus Deutschland und der Schweiz. Österreicher haben wir, warum auch immer, leider nicht so viele. Außerdem haben wir etwa fünf Gäste aus Schweden und fünf Englisch sprechende. Wir konzentrieren unsere Werbung auf die deutschsprachigen Länder, das hat einfach mit unserer Herkunft zu tun. Dadurch wissen wir natürlich auch sehr gut, was deutsche Urlauber gerne wollen ...


Welche Empfehlung würden Sie Ihren Gästen geben, mehr Lebensqualität durch ihren Besuch bei Ihnen zu erhalten?

Ich glaube, eine Empfehlung zu geben ist absolut nicht notwendig. Alle Gäste, die zu uns kommen, werden durch die Ruhe, Abgeschiedenheit, Einfachheit und Natur so tief berührt und zum Nachdenken angeregt, dass das Jede und Jeder für sich selbst ganz schnell entdeckt.

Von Gästen hören wir immer wieder, dass sie während der Tage bei uns «so weit weg vom Alltag» waren wie noch nie in einem Urlaub. Oder dass sie erstaunt sind, mit wie wenig man doch eigentlich auskommen kann. Gerade für Kinder ist es ein Erlebnis zu sehen, wie wir Wasser holen. Die meisten kennen Wasser wohl nur aus dem Wasserhahn und sind dann total fasziniert, dass man hier Wasser aus einer Quelle schöpfen kann.

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